Vorarlberger Tennisverband
Billie Jean King Cup

Vor 20 Jahren: Als die ÖTV-Damen fast ins Fed-Cup-Finale stürmten

Marion Maruska erinnert sich an den großartigen Erfolgslauf von 2002 zurück – samt dem Sensationssieg auswärts in den USA.
Verfasst von: Manuel Wachta, 07.04.2022
© zVg
Zina Garrison (Assistant Coach), Billie Jean King, Monica Seles, Lisa Raymond, Meghann Shaughnessy, Jennifer Capriati, Barbara Schwartz, Evelyn Fauth, Marion Maruska, Daniela Kix, Leopold Platzer (Technischer Direktor ÖTV)

1990 hatten Österreichs Herren im Davis Cup sensationell das Semifinale erreicht und waren dort im Wiener Praterstadion nur knapp mit 2:3 an den USA gescheitert – nachdem Horst Skoff im fünften Match gegen Michael Chang montags trotz einer 2:0-Satzführung noch den Finaleinzug verspielte. So gut die legendäre Begegnung den Tennisfans im Lande bis heute in Erinnerung ist, sollte keineswegs vergessen werden, dass den rot-weiß-roten Damen im Fed Cup sogar dreimal das Kunststück glückte, unter die besten vier Nationen der Welt einzuziehen: Zum ersten Mal noch im selben Jahr wie den Männern, zudem in den Jahren 2002 und 2004. Eine enorm hoch einzuschätzende Leistung.

Besonders herausragend war hierbei zweifelsohne der zweite derartige Lauf 2002. Dass dieser mit einem unglaublichen, komplett ungeahnten Coup seinen Ausgang genommen hatte, ist nunmehr gut 20 Jahre her – als man am 27./28. April die USA auswärts mit 3:2 eliminiert hatte. Dieser Erfolg kam dermaßen überraschend, dass nicht mal heimische Fotoagenturen die Reise zum Länderkampf nach Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina mitgemacht hatten, wie sich die Zeitzeugin Marion Maruska erinnern konnte – „so nach dem Motto: ‚Dort verlieren wir ohnehin.‘ Auch die österreichische Presse hat uns damals überhaupt keine Chancen gegeben und uns im Vorhinein runtergemacht.“

Capriatis Ausschluss und überragende Schwartz

Die heutige ÖTV-Sportkoordinatorin, -Jugendreferentin und -Billie-Jean-King-Cup-Kapitänin Maruska hatte im September 2001 damals bereits begonnen gehabt, für den Österreichischen Tennisverband zu arbeiten. „Die Profikarriere war eigentlich beendet, aber ich habe noch immer jeden Tag voll trainiert und bin deshalb gegen die USA noch einmal einberufen worden.“ Und so sah die Hinterbrühlerin aus der ersten Reihe fußfrei, wie Österreichs Fed-Cup-Damen die USA nicht nur besiegten, sondern sogar schon nach den ersten drei Partien längst alles klargemacht hatten. Das zwar auch mit Mithilfe der Gastgeberinnen, denn die damalige Weltranglisten-Zweite Jennifer Capriati, eine Woche zuvor noch Nummer eins in der Welt, war von US-Kapitänin Billie Jean King kurzerhand aus dem Team ausgeschlossen worden, da sie sich nicht am vorgeschriebenen Mannschaftstraining beteiligt hatte und mit ihrem Vater trainiert hatte. Das zweite Einzel gegen Evelyn Fauth, für das Capriati bereits aufgestellt worden war, endete daher mit einem w.o.-Sieg für Österreich – was die rot-weiß-roten Erfolgsaussichten freilich auch massiv erhöhte.

Zu verdanken war der Sensationserfolg in Übersee vor allem „einer überragenden Barbara Schwartz. Es war schlicht beeindruckend, was sie allgemein in diesem Jahr im Fed Cup geleistet hat“, befand Maruska. An Tag eins schlug Schwartz zuerst die Weltranglistensechste Monica Seles mit 7:6 (7), 6:2, an Tag zwei sorgte sie mit dem beinhart umkämpften 4:6, 7:6 (7), 9:7 gegen die danach statt Capriati aufgebotene Weltranglistenzwölfte Meghann Shaughnessy für die umjubelte Entscheidung zu Gunsten der ÖTV-Ladies. „Es waren damals 3000 bis 4000 Zuschauer im Freien vor Ort, und immerzu wenn das Publikum wieder leise geworden war, haben wir Babsi angefeuert. Billie Jean King hat anfangs noch milde darüber gelächelt, mir mit dem Daumen nach oben zugerufen ‚I like that‘ – im dritten Satz hat’s ihr dann wohl nicht mehr so gefallen“, schmunzelte Maruska.

Die schwarz-weiße Vision bekam Farbe

Ein kleines bisschen hatte man intern schon im Vorhinein mit einer Überraschung kokettiert, zunächst allerdings noch mehr scherzhaft. „Wir haben die ganze Woche über so geredet: ‚Hihi, wir haben eine Vision.‘ Und dann waren wir plötzlich wirklich 2:0 vorne. Da meinten wir noch: ‚Jetzt ist die Vision schon schwarz-weiß, aber noch nicht in Farbe.‘“ Dafür sorgte dann die großartig spielende Schwartz. Nach dem 3:0 brachen alle Dämme. „Wir haben uns auf der Heimfahrt noch rot-weiß-rote Striche in die Haare reingesprüht. Und am Flughafen Wien-Schwechat hat uns dann sogar der ORF empfangen. Ich erinnere mich bis heute immer wieder gern an diese Fed-Cup-Saison zurück, ganz besonders natürlich an dieses 3:2 in den USA.“ Dass Fauth im vierten Match gegen Seles und im Doppel mit Maruska, die hierbei ihren letzten Fed-Cup-Einsatz hatte, gegen Lisa Raymond und Seles verlor, änderte nichts mehr am Triumphzug der Mannschaft von Alfred Tesar, bei der übrigens Daniela Kix als vierte Spielerin im Kader gestanden war.

Damit sollten Österreichs Erfolge 2002 aber eben noch kein Ende nehmen. Am 20. und 21. Juli schickten Barbara Schett, Schwartz, Patricia Wartusch und Fauth auch Kroatien in der Werzer Arena in Pörtschach (Kärnten) im Viertelfinale durch ein 4:1 nach Hause. Wieder steuerte hierbei Schwartz zwei Punkte bei, schlug zum Auftakt die French-Open-Siegerin 1997 Iva Majoli mit 6:2, 6:3 und zum entscheidenden 3:1 Jelena Kostanic mit 4:6, 6:3, 8:6, dazwischen hatte Schett zunächst Kostanic mit 6:2, 6:1 vermöbelt, doch gegen Majoli mit 4:6, 3:6 verloren. Schett/Wartusch fegten im abschließenden Doppel, beflügelt vom Sieg, über Karolina Sprem und Silvija Talaja mit 6:2, 6:1 hinweg. Und fast hätte man am 30./31. Oktober auf Gran Canaria noch eine weitere Sensation vollbracht: Mit Schett, Wartusch, Fauth und Sybille Bammer unterlag man den hochfavorisierten Spanierinnen nach einem 0:2-Rückstand nach dem ersten Tag hauchdünn mit 2:3.

Schett rang am zweiten Tag Conchita Martinez mit 7:5, 6:7 (3), 6:2 nieder, Wartusch zwang Arantxa Sanchez Vicario mit 4:6, 6:4, 9:7 in die Knie. Im alles entscheidenden Doppel platzte letztlich doch der unverhofft schon greifbar gewordene Traum vom Fed-Cup-Endspiel: Schett/Wartusch gewannen gegen Martinez und Virginia Ruano Pascual zwar den ersten Satz, nicht aber das Match – 4:6, 6:3, 6:1 hieß es schließlich doch für die Gastgeberinnen. Das Geleistete der ÖTV-Damen in diesem Jahr bleibt dennoch historisch und für die Ewigkeit in Erinnerung.

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